Kräuterportrait – das Johanniskraut

Der Lichtbringer, nicht nur in der kalten Jahreszeit. Gepriesenes Kraut gegen Depressionen, Angst und nervöse Verstimmungen. Helfer bei Narben und allerlei Hautleiden.
Um das Johanniskraut ranken sich zahlreiche Mythen und Legenden. Lasst uns zusammen mal etwas genauer hinschauen:

Vorkommen
Das echte Johanniskraut, Hypericum perforatum, wächst in unseren Breiten fast überall wild. Man kann es also wunderbar wild sammeln oder auch im eigenen Garten anbauen. Achtung: es verbreitet sich sehr stark. Da es aber eine großartige Bienenweide ist, tut man sogar unseren kleinen Freunden etwas Gutes. Man findet das Johanniskraut auf Wiesen, an Wegrändern oder auch an Waldrändern. Es mag gern sonnige Standorte, die nicht zu feucht sind.


Johanniskraut

Beschreibung
Das Johanniskraut wird ca. 30-70 cm hoch, ist mehrjährig und wächst bisweilen stark verzweigt. Die gegenständigen Blätter sind länglich, etwas eiförmig und hellgrün mit einem ganz kleinen Hauch von grau. Charakteristisch sind die dunklen Punkte auf den Blättern die auch auf den Blütenblättern zu finden sind. Es handelt sich hier um Drüsen der Pflanze.
Die strahlend gelben Blüten wachsen zu mehreren an den Enden der Stängel. Zerreibt man eine Blüte zwischen den Fingern, so tritt ein dunkelroter, bisweilen lilafarbener Farbstoff aus. Daran kann man das Johanniskraut zweifelsfrei erkennen.


Inhaltsstoffe
Hypericin, Flyvonoglykoside, Biflavone, Gerbstoffe, ätherisches Öl


Verwendung
Das Johanniskraut ist das Kraut der Sonne, der Wärme und des Wohlergehens. Seine leuchtend gelben Blütenblätter allein heben schon die Stimmung und verbreiten Sommer pur. So wird es in der Volksmedizin gegen depressive Verstimmungen, Gereiztheit, Angstzustände bis hin zu schweren Depressionen eingesetzt. Da mit solchen Krankheitsbildern aber nicht zu scherzen ist, hier der ganz klare Hinweis von mir, in solchen Fällen bitte immer einen Arzt oder Heilpraktiker aufzusuchen. Denn das Johanniskraut wird vor allem in der Pflanzenheilkunde sehr gern von Fachleuten empfohlen.

In der Räucherkunde wird das Johanniskraut zur Mittsommernacht geräuchert. Mit dem verbrennen des Krauts übergibt man Unglück und Krankheit dem Feuer.
Auch wurde zum Segnen und Schützen vor Dämonen und schlechten Einflüssen geräuchert.

die Blüte im Detail

Und auch das Rotöl sollte in keiner Hausapotheke fehlen:

Rötöl
Rotöl heißt der Ölauszug aus dem Johanniskraut, da er sich im Laufe der Ziehzeit rot verfärbt. Es kommt immer ein bisschen auf den Standort und die regionalen Gegebenheiten an. So wird es manchmal nur leicht rot, ich habe aber schon tiefrote, bisweilen fast bräunliche Rotöle gesehen.

Herstellung:
Man sammelt das voll erblühte Kraut zur Mittagszeit an einem sonnigen, trockenen Tag.
Traditionell wird es am oder um den Johannistag (24.6.) gesammelt. Dort sollen seine Heilkräfte besonders groß sein. Ob der Johannistag nun seinen Namen vom Johanniskraut hat oder umgekehrt lässt sich wohl kaum noch zweifelsfrei belegen.

Nun nimmt man die voll aufgeblühten Blüten, noch geschlossene Blüten und gern auch schon ein paar Fruchtstände und lässt sie ein bis zwei Tage antrocknen. Das Johanniskraut neigt sehr schnell dazu, im Öl zu schimmeln und durch das Antrocknen geht ein Teil der Feuchtigkeit schon einmal aus der Pflanze.
Dann legt man die Pflanzenteile vorsichtig in ein großes Glas und bedeckt das Ganze sehr großzügig mit gutem Olivenöl. Es ist unbedingt darauf zu achten, dass keine Pflanzenteile oben raus schauen. Es empfiehlt sich, das Glas nicht fest zu verschrauben, sondern ein durchlässiges Tuch darauf zu befestigen. So kann die Feuchtigkeit besser entweichen.
Tagsüber stellt man das Glas nun in die volle Sonne, nachts ist es ins Haus zu holen.

Nach ca. 4 Wochen ist das Öl rot geworden und kann abgefiltert werden. Das fertige Rotöl kommt in dunkle Flaschen oder Gläser und wird beschriftet.
Es eignet sich hervorragend zur Hautpflege von trockener Haut, Narbenbehandlung und zur Massage bei Verspannungen, Muskelbeschwerden und oben genannten psychischen Problemen.


In der Küche findet das Johanniskraut keine Verwendung, es ist rein medizinisch einzusetzen.


Bitte beachtet unbedingt, dass das Johanniskraut in allen Anwendungsformen die Lichtempfindlichkeit der Haut erhöht. Im Winter sehr förderlich, da der Körper das wenige Licht besser ausnutzen kann, wenn man sich unter freiem Himmel befindet, im Sommer allerdings kommt es u.U. eher zum Sonnenbrand.

Und nun wünsche ich Euch viel Freude bei der Annäherung an dieses wundervolle Heilkraut.

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Autor: Claudia Winter

Expertin für essbare Wildpflanzen und Heilpflanzen, Autorin der Bücherreihe Anwens Quickies; naturspiritueller Coach und Reikimeister.

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