(Heil)Pflanzen im beginnenden Herbst

Auf dem Weg von der Praxis nach Hause habe ich heute einen wunderschönen Spaziergang durch die Natur gemacht.

Einige Eindrücke davon möchte ich gern mit Dir teilen.

Was kann man denn genau jetzt sammeln? Was wächst und gedeiht genau jetzt?
Hier einige wichtige Beispiele für Dich:

Der Weißdorn
Die Früchte des Weißdorns werden traditionell zur Teebereitung genutzt. Hierzu setzt man die getrockneten und zerkleinerten Früchte abends kalt an und erwärmt die abgeseihte Flüssigkeit am nächsten Morgen.
In der traditionellen Medizin sollen die Weißdornfrüchte zur Stärkung des Herzens beitragen, die Durchblutung fördern und die allgemeine Belastbarkeit erhöhen.


Der Rucola
Der Rucola steht teilweise sogar noch in Blüte, seine Blätter können geerntet werden und als Salat gegessen werden. Auch ein Pesto kann man daraus zubereiten.
Wer möchte kann sich aus den braunen, trockenen Schoten Samen entnehmen und diese dann im nächsten Jahr kultivieren.

Rucola Anfang September

Wilde Möhre
Die Samen der wilden Möhre sind jetzt reif und schmecken scharf würzig. Sie sind eine tolle Zutat für Kräuter- und Gewürzsalze.


Die Hagebutten
Hagebutten können viele unterschiedliche Formen und sogar Farben aufweisen. Von knallrot und winzig klein bis hin zu dunkelviolett und dick ist alles dabei.
Alle Hagebutten können verarbeitet werden.
Man kann ein wunderbares Mus daraus kochen oder die Früchte entkernen und trocknen. Im Winter ist der Hagebuttentee eine wundersame Wohltat – vor allem bei beginnenden Infekten, denn Hagebutten enthalten sehr viel Vitamin C. Die Kerne können angestoßen überbrüht werden und als Tee getrunken werden. Sie haben ein ganz leichtes Vanille-Aroma.

Hagebutten – diese hier sind noch nicht ganz reif

Wegerich
Alle Wegeriche sind jetzt noch gut zu ernten. Es ist ratsam, sich einen Wintervorrat anzulegen, denn der Spitzwegerich wird traditionell bei Halsentzündung und Reizhusten als Tee getrunken.


weißer Gänsefuß
Der weiße Gänsefuß ist ein großartiges Wildgemüse und als Spinat oder in Teigfüllungen super lecker. Die Samen können reif geerntet werden und sich eine schmackhafte Zutat zum Müsli.
Besonders lecker ist ein Spinat gekocht aus Brennnesseln und Gänsefuß.

weißer Gänsefuß

Brennnessel
Die Brennnesselsamen sind reif und können geerntet werden. Sie enthalten wichtige Omega-6-Fettsäuren, Vitamin E und Carotinoide.
Hier erfährst Du mehr über dir Brennnessel.


Schafgarbe
Auch die Schafgarbe kannst Du jetzt noch super ernten.
In diesem Blog kannst Du alles über sie nachlesen.


Beifuß
Beifuß ist ebenfalls noch reichlich vorhanden. Lies hier, warum Du ihn für den Winter sammeln solltest.


Kastanie, Walnuss, Haselnuss und Maronen

Die Baumfrüchte sind allesamt jetzt reif und dürfen gesammelt werden. Kastanien eignen sich unter anderem zum Wäsche waschen (dazu in wenigen Tagen mehr), Walnuss, Haselnuss und Maronen bereichern unseren Speiseplan sehr, enthalten sie doch viele sehr wichtige Inhaltsstoffe wie Fettsäuren, Proteine, Vitamine und Mineralstoffe.
So reichen schon 100g Walnüsse pro Tag um unseren gesamten Bedarf an Zink und Vitamin E zu decken.


Holunder
Auch der Holunder ist jetzt noch zu sammeln.
In diesem Blog erfährst Du alles darüber.

reife Holunderbeeren


Wer jetzt noch nicht genug von der Natur hat, den nehme ich sehr gern am kommenden Samstag 8.9. um 13 Uhr zur Kräuterwanderung im Berliner Volkspark Prenzlauer Berg mit.

Alle Infos dazu findest Du auf meiner Homepage oder direkt auf Facebook.

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Kräuterportrait – der Beifuß

Der Beifuß, Artemisia vulgaris, ist eine typische Sommer und Herbstpflanze. Viele von uns kennen ihn wohl nur durch die Beifußsträußchen, die zur Weihnachtszeit in den Supermärkten erhältlich sind. Dabei ist der Beifuß eine hervorragende Würz- und Heilpflanze.
Die mehrjährige Pflanze wächst mit einem zentralen Stängel, der immer eine rot-braune Farbe aufweist und eher holzig ist. Im oberen Teil verzweigt er sich stark und bildet viele längliche Blüten an den Triebspitzen. Die Blüten sind winzig klein und unscheinbar. Die dunkelgrünen Blätter sitzen direkt am Stängel, sind im unteren Bereich recht groß und werden nach oben hin immer kleiner und feingliedriger. Die Blattunterseite ist sibrig-grau filzig.

die glänzende Oberseite eines Beifußblattes
die grau-filzige Unterseite eines Beifußblattes

Beifuß wächst fast überall und stellt wenig Ansprüche an den Boden. Man findet ihn auf Wiesen, an Wegen und auf Sandplätzen. Aber auch an Bachläufen kann man fündig werden.


Am ehesten ist der Beifuß mit dem Wermut, Artemisia absinthum, zu verwechseln. Dieser hat allerdings einheitlich graugrüne Blätter, die dazu auch noch an Stielen sitzen. Die Blüten sind kräftiger gefärbt und eher gelb.

Hauptinhaltsstoffe sind verschiedene Bitterstoffe. Dazu findet man im Beifuß noch allerlei ätherische Öle und Flavonoide.

der rötlich-braune Stiel ist hier gut zu erkennen

Im zeitigen Sommer noch bevor sich die Blüten geöffnet haben sammelt man die jungen Triebspitzen. Die Blüten erntet man am Besten im Hochsommer bis in den Herbst hinein. Die Blätter können während der gesamten Vegetationsperiode geerntet werden, sind jedoch immer herzhafter, je älter sie sind.

die Blüte des Beifuß

In der Küche wird der Beifuß hauptsächlich als Gewürz oder würzige Zutat für Suppen, Salate, Eintöpfe angewendet. Er ist eine gute Zugabe zu fettigen Fleischgerichten (hauptsächlich Geflügel) und passt auch gut in verschiedene Eierspeisen.

Seine wohl bekannteste Anwendung in der Hausapotheke ist die Anregung von Appetit und Verdauung. Die Bitter- und Gerbstoffe helfen dem Verdauungstrakt bei der Bewältigung von fetten und schwer verdaulichen Speisen.
Aber auch bei Schlafstörungen und nervösen Erscheinungen hilft ein Tee und verspricht Beruhigung. Beifuß ist nicht in der Schwangerschaft anzuwenden, da er Wehen auslösen kann. Allerdings kann er bei Periodenschmerzen als Tee getrunken Linderung verschaffen und die Periodenblutung ausgleichen. Beifuß gilt als klassisches Frauenkraut.


Rezept
Kräutersalz mit Beifuß
einige Beifußblätter
verschiedene andere Kräuter
gutes, grobes Meersalz

Man benötigt Beifuß und verschiedene andere Kräuter aus dem Garten, Supermarkt oder wild gesammelt.
Es eignen sich wunderbar Petersilie, Schnittlauch, aber auch Knoblauchsrauke, Rosmarin, Oregano oder wilder Dost. Hier entscheidet allein der persönliche Geschmack – Experimentierfreude ist gefragt.
Insgesamt sollte man auf ca. 100g Kräuter kommen.
Diese werden mit 300g Meersalz in einem Mixer kurz zerkleinert und dann auf einem Backblech an einem schattigen Platz getrocknet. Alternativ kann man sie auch bei 50°C im Ofen mit geöffneter Tür trocknen.
Das Salz ist fertig, wenn die Kräuter trocken sind. Dann kann es in Gläser abgefüllt werden und zum Würzen von allerlei Speisen genommen werden.
Ein Kräutersalz mit Beifuß eignet sich besonders für fettige Fleischgerichte.


Auch mythologisch hat der Beifuß eine große Bedeutung.
Ihm werden große Zauberkräfte nachgesagt. Bei fast allen antiken und frühmittelalterlichen Kulturen galt er als kraftvolles Schutzkraut vor bösem Zauber, Hexerei und Unglück. Bei den Kelten gilt der Beifuß als Helfer beim Wahrsagen und heißt dort noch heute Mugwort – Machtkraut. In Räuchermischungen wird er besonders gern in den Rauhnächten geräuchert.

Mein besonderer Tipp:
Ein Beifußsträußchen im Zimmer soll Fliegen und Mücken verscheuchen.
Bitte bei Beifuß besondere Vorsicht walten lassen. Er kann Allergien auslösen.


Mehr über den Beifuß und allerlei andere Wildkräuter findest Du in meinem Buch Anwens Kräuter Quickie.

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