Pflanzenportrait – die Linde

Am Brunnen vor dem Tore, da steht ein Lindenbaum.
Ich träumt in seinem Schatten so manchen süßen Traum. *träller*

Schon als Schulkind mochte ich dieses doch recht verstaubte Lied sehr gern. Und auch heute noch begleitet mich die Linde oft auf meinen Wegen.
Deshalb hier für euch eine Vorstellung dieses schönen Baums und ein Vorurteil werde ich auch noch beseitigen.


Die Linde gibt es bei uns in vielen verschiedenen Arten, vor allem in Parks und an Straßen wird sie gern gepflanzt. Medizinisch wirksam sind hauptsächlich die Sommerlinde und die Winterlinde.

Beide unterscheiden sich in einigen Merkmalen, so dass man sie recht gut auseinanderhalten kann:

Sommerlinde, Tilia platyphyllos:

die unbehaarte Blattunterseite der Sommerlinde

– meist über 30 m hoch
– Blätter zwischen 5 und 10 cm lang, bisweilen handtellergroß, auf der Oberseite weich behaart und auf der Unterseite heller
– blüht meist Mitte – Ende Juni
– die Früchte weisen 3-5 Rippen auf, die Hochblätter sind spitz zulaufend

die Blütenstände

Blütenstände der Winterlinde
Winterlinde – man erkennt gut die Behaarung

Winterlinde, Tilia cordata:
– meist nur 20-30 m hoch
– Blätter 3-5 cm lang, nur an der Blattbasis und in den Achseln der Blattadern leicht behaart
– blüht im Juli
– die Früchte sind weniger stark gerippt und die Hochblätter sind am Ende rund


Inhaltsstoffe:
vor allem Schleimstoffe, Flavonoide, ätherisches Öl und Saponine


Beide Lindenarten finden in der Volksheilkunde Verwendung. Hierbei aber lediglich die Lindenblüten. Es werden die Blüten und das grüne Hochblatt verwendet.

Die wohl bekannteste Anwendung ist die der Schwitzkur. Hierzu trinkt man abends einen Lindenblütentee. Positiver Nebeneffekt: die enthaltenen Schleimstoffe beruhigen gereizte Schleimhäute im Mund- und Rachenbereich. Auch ein Lindenblütenbad soll traditionell bei Erkältungskrankheiten hilfreich sein.

Oft kommen Lindenblüten auch in Teemischungen vor, die bei Blasenproblemen zu Einsatz kommen, den Lindenblüten wirken entzündungshemmend. Zudem wirken sie entkrampfend, was bei vielen Begleiterscheinungen von Erkältungskrankheiten wie Husten, Abgeschlagenheit und Magenproblemen hilfreich ist. In früheren Zeiten war die Linde deshalb ein sehr beliebtes Mittel in der Volksheilkunde.


Auch mythologisch hat die Linde eine große Bedeutung. So stand sie in jeder Siedlung auf dem Dorfplatz. Dies rührt aus uralter germanischer Zeit her, in der die Linde ein Schutzbaum und Baum der Göttin Freya war. Er war Versammlungsort und Ort der inneren Einkehr und Verbindung zur geistigen Welt.
Auch heute noch ist in fast jedem Dorf an zentraler Stelle eine Linde zu finden, denn sie können viele hundert Jahre alt werden. In einem hessischen Dorf steht mit über 1200 Jahren der älteste Baum Deutschlands. Und es ist – oh Überraschung! – eine Linde.


Und nun zu dem Vorurteil, dass die Lindenblüten kleben:
Wer kennt es nicht. Im Sommer klebt ALLES, was sich unter einem Lindenbaum befindet. Der Boden, ein abgestelltes Fahrrad oder Auto und hält man sich länger unter einer Linde auf, so kann man bisweilen kleine Tropfen herunterfallen spüren.
Nun, dies ist allerdings kein Nektar aus den Blüten, sondern der sogenannte Honigtau: die Ausscheidung der Blattläuse, die zu Abermillionen die Linde im Sommer bevölkern.
Die eigentlichen Lindenblüten sind daran also gar nicht beteiligt 😉

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